Wertschätzende Kommunikation

[Dies ist aus Wikepedia ent­lie­hen; wird bald von mir auf mein per­sön­li­ches Verständnis und mei­ne Art es zu sagen aus­ge­drückt.]

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Konzept, das von Marshall B. Rosenberg ent­wi­ckelt wur­de. Es soll Menschen ermög­li­chen, so mit­ein­an­der umzu­ge­hen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. GFK kann in die­sem Sinne sowohl bei der Kommunikation im Alltag als auch bei der fried­li­chen Konfliktlösung im per­sön­li­chen, beruf­li­chen oder poli­ti­schen Bereich hilf­reich sein. Im Vordergrund steht nicht, ande­re Menschen zu einem bestimm­ten Handeln zu bewe­gen, son­dern eine wert­schät­zen­de Beziehung zu ent­wi­ckeln, die mehr Kooperation und gemein­sa­me Kreativität im Zusammenleben ermög­licht. Manchmal wer­den auch die Bezeichnungen „Einfühlsame Kommunikation“, „Verbindende Kommunikation“, „Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“ ver­wen­det.

Die Giraffe ist dasSymboltier für die Gewaltfreie Kommunikation.[1] Der lan­ge Hals soll die Weitsicht sym­bo­li­sie­ren.[2] Dass sie das größ­te Herz bei den Landsäugetieren habe, ste­he für Mitgefühl.[2]

Marshall Rosenberg bei einem Workshop über Gewaltfreie Kommunikation, Israel (1990)

Geschichte und Verbreitung

Rosenberg hat an der University of Wisconsin–Madison in kli­ni­scher Psychologie pro­mo­viert. Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation ent­stand aus Rosenbergs Auseinandersetzung mit der ame­ri­ka­ni­schen Bürgerrechtsbewegungin den frü­hen 1960ern. Er half dabei, die Rassentrennung an Schulen und Institutionen auf fried­vol­lem Wege rück­gän­gig zu machen. Als er mit zuneh­men­dem Erfolg mehr Menschen traf, die ihn auch finan­zi­ell unter­stüt­zen woll­ten, grün­de­te er (zunächst aus steu­er­li­chen Gründen) die Non-Profit-Organisation „Center for Nonviolent Communication“.

Rosenberg hat Zeit sei­nes Lebens Trainingskurse in Gewaltfreier Kommunikation in Schweden, der Schweiz, Italien, Deutschland, Israel, Dänemark, Polen, Ungarn, Malaysia, Indien, den USA und vie­len wei­te­ren Staaten ange­bo­ten. Er ist lan­ge Zeit auch in Krisengebieten und öko­no­misch benach­tei­lig­ten Regionen wie Palästina, Serbien und Ruanda tätig gewe­sen und hat über meh­re­re Jahre sei­nen Lebensmittelpunkt in der Schweiz gehabt. Bis zu sei­nem Tod im Februar 2015 ver­brach­te er sei­nen Lebensabend in Albuquerque (New Mexico, USA).

1994 haben ser­bi­sche Pädagoginnen und Psychologen – unter­stützt von UNICEF – ein drei­bän­di­ges Werk zum Erlernen Gewaltfreier Kommunikation nach Rosenbergs Methode für Kindergärten und Schulen ent­wi­ckelt. Rosenberg hat auch ein spe­zi­ell auf Kinder zuge­schnit­te­nes Konzept des Lernens der GFK ent­wi­ckelt.

Das Konzept der GFK kann in vie­len Bereichen ver­wen­det wer­den, so etwa in Bildungseinrichtungen, Organisationen, Institutionen, pri­va­ten Beziehungen, Therapie, Beratung, Verhandlungen, Diplomatie und über­all, wo Konflikteauf­tre­ten. Viele Coaching- und Mediations-Agenturen bie­ten Fortbildungen und Seminare zur GFK an und nut­zen sie zur Bearbeitung von Konflikten.

Theoretischer Hintergrund

Die GFK steht in der Tradition der kli­en­ten-zen­trier­ten Gesprächstherapie, die Rosenbergs Lehrer Carl Rogers ent­wi­ckel­te. Das akti­ve Zuhören steht bei Rogers im Mittelpunkt, die GFK geht jedoch über den gesprächs­the­ra­peu­ti­schen Rahmen hin­aus. Beeinflusst ist die GFK auch von Mahatma Gandhi und sei­nen Überlegungen zur Gewaltfreiheit, ahim­sa genannt, die auf den Upanishaden basie­ren. Viele Elemente der GFK fin­den sich auch in ande­ren Konfliktlösungstechniken, wie im Gütekraft-Konzept von Martin Arnold, der Mediation und den Win-Win-Strategien.

Erläuterung des Konzepts von Rosenberg

Grundannahmen

Karten mit mensch­li­chen Grundbedürfnissen in den Händen von Übungsgruppenteilnehmern

Empathie ist nach Rosenberg eine Grundvoraussetzung gelin­gen­der Kommunikation. Er geht davon aus, dass die Form, in der Menschen mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, einen ent­schei­den­den Einfluss dar­auf hat, ob sie Empathie für ihr Gegenüber ent­wi­ckeln und ihre Bedürfnisse erfül­len kön­nen. Außerdem nimmt er an, dass Menschen unter frei­en Bedingungen die empa­thi­sche Verbindung zum Mitmenschen suchen. Die GFK soll hel­fen, sich ehr­lich und klar aus­zu­drü­cken und empa­thisch zuzu­hö­ren. Sie ist auf die Bedürfnisse und Gefühle gerich­tet, die hin­ter Handlungen und Konflikten ste­hen. Sie ist weni­ger als eine Kommunikations-Technik zu betrach­ten, son­dern mehr als eine Bewusstwerdung über Möglichkeiten des empa­thi­schen Kontaktes. Dabei ist es prin­zi­pi­ell nicht nötig, dass bei­de Kommunikationspartner GFK anwen­den – auch wenn es, gera­de für Anfänger, sehr hilf­reich ist, wenn bei­de wis­sen, wie viel Potenzial in der ein­fühl­sa­men Verbindung steckt. In der GFK ist die Empathie unter zwei Gesichtspunkten bedeut­sam. Neben der Einfühlung in eine ande­re Person ist auch die Selbstempathie wich­tig, um Klarheit in einer Situation zu erhal­ten und damit zu ermög­li­chen, Strategien zu fin­den, die der Bedürfniserfüllung auf allen Seiten dient.[3][4]

Rosenberg nimmt an, dass jeder Mensch gern bereit sei, etwas für einen ande­ren Menschen zu tun, sofern bestimm­te Bedingungen erfüllt sind (z. B. die Anfrage als Bitte for­mu­liert ist und nicht als Forderung, er nicht den Eindruck hat, dadurch eine Pflicht abzu­ar­bei­ten oder den ande­ren in eine Pflicht zu set­zen und so wei­ter). Dieses Menschenbild geht auf die der huma­nis­ti­schen Psychologie ent­lehn­te Haltung zurück, in einer schä­di­gen­den Aktion eines Individuums nicht den Ausdruck des inne­ren Wesens zu sehen, son­dern die „fehl­ge­lei­te­te“ Strategie eines eigent­lich posi­ti­ven Impulses. Rosenberg bezieht sich beson­ders auf Carl Rogers. So nennt Rosenberg jede Form von Gewalt einen tra­gi­schen Ausdruck eines uner­füll­ten Bedürfnisses.

Annahmen zur Konfliktentstehung

Rosenberg nennt meh­re­re Auslöser, die zu Konflikten füh­ren kön­nen[5]:

  • Statische Sprache: Laut Wendell Johnson ent­stün­den Probleme beim Versuch, die stän­dig sich wan­deln­de Welt mit einer sta­ti­schen Sprache zu beschrei­ben oder gar ein­zu­fan­gen. Rosenberg emp­fiehlt statt­des­sen eine pro­zess­ori­en­tier­te Sprache. Beobachtungen soll­ten „kon­kret bezo­gen auf die Zeit und den Handlungszusammenhang“ for­mu­liert wer­den (S. 45). (Siehe auch: Konkretisierung und situa­tiv varia­bler Attributionsstil)
  • Verknüpfung von objek­ti­ver Beobachtung mit sub­jek­ti­ver Bewertung: Er tre­te nicht dafür ein, objek­tiv zu blei­ben, son­dern objek­tiv prüf­ba­re Beobachtungen und sub­jek­ti­ve Bewertungen zu tren­nen. (S.45) Er schlie­ße sich damit J. Krishnamurti an, nach dem die Fähigkeit, ohne Bewertung zu beob­ach­ten, die höchs­te Form mensch­li­cher Intelligenz sei. (S.48) (Siehe auch: Beobachtungssatz).
  • Kritik anstatt Wünschen: „Und wenn Menschen etwas hören, das […] nach Kritik klingt, dann nei­gen sie dazu, ihre Energie in die Verteidigung oder in einen Gegenangriff zu ste­cken.“ (S.73) Dadurch sin­ke die Bereitschaft, auf eine Bitte empa­thisch ein­zu­ge­hen.

Rosenberg unter­schei­det zwei Arten zwi­schen­mensch­li­cher Kommunikation, die Gewaltfreie Kommunikation und die lebens­ent­frem­den­de Kommunikation. Zur spie­le­ri­schen Veranschaulichung wird in Vorträgen und Seminaren dies auch als „Giraffensprache“ und „Wolfssprache“ bezeich­net.

Lebensentfremdende Kommunikation

Unter lebens­ent­frem­den­der Kommunikation ver­steht Rosenberg Formen der Kommunikation, die Verbindungen zwi­schen Menschen blo­ckie­ren und zu psy­chi­scher oder phy­si­scher Gewalt bei­tra­gen kön­nen. Lebensentfremdende Kommunikation ist gekenn­zeich­net durch fol­gen­de Eigenschaften:

  1. Das (mora­li­sche) Urteilen über den Kommunikationspartner. Dazu gehört das Zuschreiben von Eigenschaften an die Person (z. B. „gut/böse“, „gerecht/ungerecht“, „gesund/krank“), auch wenn es impli­zit als Vermischung von Beobachtung und Bewertung geschieht. Eine Form der impli­zi­ten Verurteilung kön­nen als Gefühle dar­ge­stell­te Bewertungen sein, zum Beispiel „ich füh­le mich pro­vo­ziert“. Hier wird der Kommunikationspartner indi­rekt als Provokateur bezeich­net. Wichtig ist, dass Bewertungen nicht abge­lehnt wer­den (ein häu­fi­ges Missverständnis). Es wird viel­mehr als hilf­reich ange­se­hen, Handlungen ande­rer zu bewer­ten, aber mit Bezug auf die eige­nen Gefühle und Bedürfnisse und nicht mit Bezug auf mora­li­sche Kategorien.
  2. Das Anstellen von Vergleichen: Dies ist nach Marshall Rosenberg eine ande­re Form von Verurteilung.[6]
  3. Das Leugnen der Verantwortung für eige­ne Gefühle und Handlungen, wie zum Beispiel in „Ich füh­le mich so, weil du mich mies behan­delst.“ Oder: „Ich muss­te das tun, der Chef hat’s ange­ord­net.“
  4. Das Stellen von Forderungen anstatt von Bitten. Der Unterschied zwi­schen Bitte und Forderung liegt in der Konsequenz des­sen, was pas­siert, wenn das Gegenüber das Ansinnen ablehnt.[5] Im Falle einer Ablehnung erlaubt die Bitte beim Gegenüber die fle­xi­ble Suche nach ande­ren Möglichkeiten. Bei einer Forderung dro­hen Sanktionen. Dies muss nicht immer in Form von offen­sicht­li­chen Strafen pas­sie­ren, mög­lich ist auch die Erzeugung von Angst oder Schuldgefühlen beim Gegenüber (z. B. durch Schweigen oder Vorwürfe).

Um das Problem nicht fort­zu­set­zen, wäre der Anspruch aus der Gewaltfreien Kommunikation, einen Menschen, der sich „lebens­ent­frem­den­der Kommunikation“ bedient, nicht mora­lisch zu ver­ur­tei­len. Auch hin­ter die­ser Form der Kommunikation ste­hen uner­füll­te Bedürfnisse, deren Wahrnehmung aller­dings schwie­ri­ger sein kann.

Grundmodell der GFK

Die vier Schritte der GFK sind Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte:[7]

  1. Beobachtung bedeu­tet, eine kon­kre­te Handlung (oder Unterlassung) zu beschrei­ben, ohne sie mit einer Bewertung oder Interpretation zu ver­mi­schen. Es geht hier­bei dar­um, nicht zu bewer­ten, son­dern die Bewertung von der Beobachtung zu tren­nen, so dass das Gegenüber Bescheid weiß, wor­auf man sich bezieht.
  2. Die Beobachtung löst ein Gefühl aus, das im Körper wahr­nehm­bar ist und mit meh­re­ren oder einem …
  3. Bedürfnis in Verbindung steht. Damit sind all­ge­mei­ne Qualitäten gemeint, die ver­mut­lich jeder Mensch auf Erden ger­ne in sei­nem Leben hät­te, wie zum Beispiel Sicherheit, Verständnis, Kontakt oder Sinn. Gefühle sind laut GFK Ausdruck des­sen, ob ein Bedürfnis gera­de erfüllt ist oder nicht, eine Art Indikator. Für den ein­fühl­sa­men Kontakt sind Bedürfnisse sehr wich­tig, da sie den Weg zu einer krea­ti­ven Lösung wei­sen, die für alle Beteiligten passt.
  4. Aus dem Bedürfnis geht schließ­lich eine Bitte um eine kon­kre­te Handlung im Hier und Jetzt her­vor. Um sie mög­lichst erfüll­bar zu machen, las­sen sich Bitten und Wünsche unter­schei­den: Bitten bezie­hen sich auf Handlungen im Jetzt, Wünsche dage­gen sind vager, bezie­hen sich auf Zustände („sei respekt­voll“) oder auf Ereignisse in der Zukunft. Erstere sind leich­ter zu erfül­len, haben des­halb auch mehr Chancen auf Erfolg. Rosenberg schlägt außer­dem vor, Bitten in einer „posi­ti­ven Handlungssprache“ zu for­mu­lie­ren – sprich, zu sagen, was man will, statt was man nicht will. Man kann unter­schei­den zwi­schen einer Handlungsbitte (bei­spiels­wei­se dar­um, die Geschirrspülmaschine aus­zu­räu­men) und einer Beziehungsbitte (bei­spiels­wei­se um eine Beschreibung der eige­nen Empfindungen).

Rosenberg fasst die Schritte der GFK in fol­gen­dem Satz zusam­men:

Wenn ich a sehe, dann füh­le ich b, weil ich c brau­che. Deshalb möch­te ich jetzt ger­ne d.“

Auch als Haltung für das empa­thi­sche Zuhören emp­fiehlt Rosenberg, aus dem, was der ande­re sagt, die­se vier Informationen her­aus­zu­fil­tern, da sie in der Regel das Herz der Botschaft dar­stel­len. Zur Überprüfung, ob sei­ne Deutung stimmt, kann der Zuhörende anbie­ten, was er in Form der vier Schritte hört („Fühlst du …, weil dir … wich­tig ist?“). Das kann auch hilf­reich sein, wenn der Sprecher durch die­ses Spiegeln sel­ber mehr Klarheit dar­über gewinnt, was er eigent­lich aus­drü­cken will. Das aus­ge­spro­che­ne und stil­le empa­thi­sche Zuhören ist ein wesent­li­cher Aspekt der Anwendung von GFK.

Das for­ma­le Grundmodell ist nach Rosenberg eine Art Übergangshilfe für die Schulung der Aufmerksamkeit, nicht jedoch ein Ersatz für die Alltagssprache. Man braucht in der Regel erheb­li­che Übung, bis die GFK in der Alltagssprache zu einer flüs­si­gen Kommunikation wird.

Wenn eine Problemlösung im Gespräch nicht mög­lich ist und zur Setzung von Grenzen führt, spricht Rosenberg von der schüt­zen­den Anwendung von Macht, die er von der stra­fen­den Anwendung unter­schei­det. Während letz­te­re den Fokus hat, mensch­li­ches Verhalten auf Basis von Selbsthass zu ändern, geht es bei ers­te­rer dar­um, wei­te­re Verletzungen zu ver­hin­dern und für Schutz zu sor­gen, aus dem her­aus über­haupt erst wie­der die Bereitschaft ent­ste­hen kann, erneut in Kontakt zu tre­ten.

Grundmodell in einem Beispiel

Formale Gewaltfreie Kommunikation, lebens­ent­frem­den­de Kommunikation und eine mög­li­che empa­thi­sche Reaktion dar­auf am Beispiel einer schmut­zi­gen WG-Küche.

Gewaltfreie Kommunikation Lebensentfremdende Kommunikation Empathische Reaktion auf lebens­ent­frem­den­de Kommunikation
Beobachtung Konkrete Handlungen, die wir beob­ach­ten und die unser Wohlbefinden beein­träch­ti­gen.
  • In der letz­ten Woche hast du dein Geschirr drei­mal nach dem Essen auf die Spüle gestellt, und es stand dort jeweils bis zum Morgen. Dann habe ich es abge­spült.“
Beobachtung und Bewertung wer­den ver­mischt.
  • Du ver­hältst dich in der Küche total schlam­pig!“
„Du hast wie­der­holt dre­cki­ges Geschirr vor­ge­fun­den?“
Gefühl Die Gefühle wer­den mit dem in Verbindung gebracht, was wir beob­ach­ten.
  • Ich bin frus­triert …“
Keine Erläuterung über Zusammenhang der Situation mit dem Gefühl, son­dern: Eine Interpretation wird als Gefühl geäu­ßert. Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Pauschalisierungen.
  • Ich füh­le mich pro­vo­ziert, es ist dir total egal, dass hier so ein Dreck ist.“
„Bist Du frus­triert …“
Bedürfnis Bedürfnisse, aus denen Gefühle ent­ste­hen, wer­den betrach­tet und mit­ge­teilt.
  • … da ich, wenn ich in das Haus kom­me, eine Ordnung vor­fin­den möch­te, die mir ein Entspannen mög­lich macht.“
Das Bedürfnis wird nicht (klar) geäu­ßert, statt­des­sen wird der ande­re mora­lisch ver­ur­teilt.
  • Du bist ein/e Schlamper/in.“
„… weil du dir mehr Unterstützung wünschst?“
Bitte Um eine kon­kre­te Handlung wird gebe­ten – auch Nichterfüllung ist in Ordnung.
  • Sage mir bit­te, ob du bereit bist, dein Geschirr gleich nach dem Essen abzu­spü­len oder gemein­sam mit mir nach einem Weg zu suchen, wie unser bei­der Bedürfnis nach Ordnung erfüllt wer­den kann.“
Es wird eine Forderung gestellt. Bei Nichtbeachtung dro­hen Sanktionen.
  • Wenn es in zwei Wochen nicht sau­ber ist, dann schmeiß’ ich dein Geschirr weg!“
„Wünschst du dir, dass wir eine kon­kre­te Absprache über das Spülen machen?“

Grenzen der GFK

Nach Rosenberg ist die wich­tigs­te Grenze der GFK die „indi­vi­du­el­le Entwicklung“ des Anwenders, die Zeit und Energie braucht. Beispielsweise kön­nen bestimm­te Bereiche des Lebens sehr mit Angst oder bestimm­ten Vorstellungen besetzt sein, so dass ein offe­nes Besprechen der Gefühle und Bedürfnisse sehr viel Mut kos­ten wür­de. Wie viel Bereitschaft der ein­zel­ne dazu hat, die­sen Mut auf­zu­brin­gen, hängt dann davon ab, wie er sich und sei­ne Bedürfnisse bis zu die­sem Zeitpunkt erlebt hat, was ein Merkmal gene­rel­ler Entwicklung des Menschen dar­stellt. Der Prozess der GFK selbst braucht eben­falls Zeit und die Bereitschaft eines Gegenübers, die­se Zeit zu inves­tie­ren. Zeit, Bereitschaft und Mut dazu sind aber ins­be­son­de­re in Machtsituationen oft nur ein­sei­tig vor­han­den.

Rezeption

Wird die Gewaltfreie Kommunikation als “Allheilmittel” zur Schlichtung von evi­den­ten Konflikten gese­hen, steht die Methode immer wie­der in der Kritik. “Während Rosenbergs Hinweise für all­täg­li­che Konflikte zwi­schen Einzelpersonen und in Gruppen mög­li­cher­wei­se hilf­reich sein mögen, gerät GFK in der Betriebswelt zur Farce. Gerade dort ent­puppt sich hin­ter der ver­meint­lich empa­thi­schen Hülle schnell ein Wolf im Giraffenkostüm” schreibt Sebastian Friedrich in der a&k[8] und ver­weist auf die Anwendung von GFK zur Durchsetzung von betriebs­wirt­schaft­li­chen Forderungen.

Auf der ande­ren Seite ersetz­te in lin­ken Gruppen die Diskussion über das “wie”, häu­fig das “was”, so Friedrich. “Empathisch und gewalt­frei ent­brennt schnell eine Debatte dar­über, wie über ein Argument dis­ku­tiert wer­den soll.” Die Methode wür­de auch als Machtinstrument ein­ge­setzt; die zur Schau gestell­te Wertschätzung ersetz­te die Bewertung. “Alles gilt als ver­han­del­bar, wer nicht bereit ist zur Metareflexion, gilt als unem­pa­thisch, gar als gewalt­voll, wer ein Urteil fällt, wer nicht per­ma­nent dar­auf hin­weist, er oder sie spre­che jetzt aus rein sub­jek­ti­ver Perspektive, wer nicht jeden zwei­ten Satz mit “Meiner Meinung nach” oder “Ich habe das Gefühl, dass” ein­lei­tet, dem wird Nachhilfe in GFK ver­ord­net.”[8]