Der Fährmann Vasudeva

Vasudeva hör­te mit gro­ßer Aufmerksamkeit zu.

Alles nahm er lau­schend in sich auf, Herkunft und Kindheit, all das Lernen, all das Suchen, alle Freude, alle Not.

Dies war unter des Fährmanns Tugenden eine der größ­ten: er ver­stand wie weni­ge das Zuhören.

Ohne daß er ein Wort gespro­chen hät­te, emp­fand der Sprechende, wie Vasudeva sei­ne Worte in sich ein­ließ, still, offen, war­tend, wie er kei­nes ver­lor, kei­nes mit Ungeduld erwar­te­te, nicht Lob noch Tadel dane­ben stell­te, nur zuhörte.

Siddhartha emp­fand, wel­ches Glück es ist, einem sol­chen Zuhörer sich zu beken­nen, in sein Herz das eige­ne Leben zu ver­sen­ken, das eige­ne Suchen, das eige­ne Leiden.

Hermann Hesse, Siddartha