Die ersten 18 Jahre

Irma Gather (1903–1994) erzählt ihre Kindheit und Jugend bis zum Jahr 1921

Irma Gather (ca. 1990) 

Die Vorgeschichte

Die Familie mei­nes Vaters kommt aus Wuppertal. Der Grossvater hat­te eine gros­se Metzgerei, aber bei sei­nem Tod war mein Vater, der Metzger gelernt hat­te nur 15 Jahre alt; zu jung um die Metzgerei wei­ter­zu­füh­ren. Der ältes­te Sohn lei­te­te das Geschäft dann wei­ter, und mein Vater, als jüngs­ter Spross, sat­tel­te um. Die Familie Sohn, müt­ter­li­cher­seits, stammt aus dem ber­gi­schen Land, bei Nümbrecht. Die Landschaft ist sehr schön dort.

Mama und Papa lern­ten sich auf einer Beerdigung ken­nen, auf dem Friedhof. Sie hei­ra­te­ten Weihnachten im Jahr 1900 in Gelsenkirchen.

Meine Mutter und ihr Bruder haben so ziem­lich gleich­zei­tig gehei­ra­tet. Er ging dann nach Berlin und bil­de­te sich wei­ter, da er von zuhau­se nicht viel Geld hat­te. Eine zeit­lang war der Herr Sohn auch Vorsitzender vom Maklerverband in Deutschland. In der Nazizeit wur­de er aus dem Amt ent­fernt; er wäre juden­freund­lich. Aber nach dem Krieg ging es wie­der auf­wärts mit ihm. Beruflich gese­hen war er ein erfolg­rei­cher Mann.

Meine Eltern haben sich lang­sam rauf­ge­wursch­telt. In Gelsenkirchen hat­ten sie erst eine Geflügelhandlung und ein offe­nes Geschäft, in dem sie tol­le Kekse ver­kauf­ten. Da sie aber so nicht genug ver­dien­ten, und das drit­te Kind kam, fing mein Vater ein Fuhrgeschäft in Buhr an. Wir zogen um. Von Gelsenkirchen kann ich mich nur noch an das Geschäft erin­nern. Wir drei ers­ten Kinder sind in Gelsenkirchen gebo­ren und Hilde 1906 in Buhr, wo wir eine Wohnung am gros­sen Marktplatz hat­ten. Ich sehe noch vor mir wie sie im Kinderwagen gele­gen hat. Neidisch war ich nicht. Ich weiss nur noch wie ein­mal unse­re Oma, die Mutter mei­nes Vaters Christkind spiel­te. Mit einer Maske vor dem Gesicht schmiss sie eine Tüte mit Leckereien durchs Fenster. Ich bekam einen furcht­ba­ren Schreck, aber nach­her war alles wie­der gut.

Das Leben im Hotel

Da mei­ne Mutter immer etwas kränk­lich war, sind wir 1907 an den Rhein gezo­gen. Mit Hypothek und einer klei­nen Anzahlung, kauf­ten mei­ne Eltern den Düsseldorfer Hof, ein gut-bür­ger­li­ches Hotel in der Ortschaft Rolandseck. Wir reno­vier­ten gründ­lich, kar­ren­wei­se fuh­ren wir den Dreck raus. Mein Vater war ein ordent­li­cher Mann und hat­te einen aus­ge­präg­ten Schönheitssinn: Hilde hat das von ihm geerbt. Eine ein­ma­li­ge Idee zum Beispiel war der Rolandsbogen im Garten. Den haben wir mit Lavasteinen vom feu­er­spei­en­den Berg in Godesberg gebaut.

Im Garten sass man unter spa­ni­schen Trauben. Wir Kinder stan­den im Sommer dau­ernd auf den Stühlen und nasch­ten davon. Ausserdem befand sich im Garten noch eine Laube im Halbmondstil. Vier Treppchen führ­ten nach oben. Sie war ganz von Heckenrösschen umge­ben und es gab sechs Tische zum Kaffee trin­ken für unse­re Gäste.

Wie wir nach Rolandseck in den Düsseldorfer Hof umzo­gen, war ich fünf, Robert war sechs ein­halb und Hilde zwei Jahre alt. Auf einem Foto ste­hen wir vier Kinder mit unse­rem Vater vor der Laube.

Wir hat­ten sämt­li­ches Obst: zucker­süs­se, gel­be Mirabellen, Paradisäpfel und Pfirsiche! Wenn wir die assen, lief uns der Saft an den Händen runter!

Für unse­re Enten und Gänse gab es zwei klei­ne Weiher. Zwischen den zwei Weihern lag ein Beet mit Blumen. Etwas ober­halb im Garten hat­ten wir Stachelbeeren, Bockbirnen und Pflaumen. Mein Mutter mach­te viel Obst ein: Johannisbeeren, Erdberen, Bockbirnen süss-sauer…

Wenn wir über die Strasse gin­gen, waren wir direkt am Rhein. Allerdings war da noch der Garten von den rei­chen Leuten. Aber links run­ter war man direkt am Rhein. Dort fuh­ren die Kaffeeschiffe: Köln-Düsseldorfer Dampfer. Es gab damals weder Autos noch Busse, also kamen die Ausflügler aus Köln und Bonn mit dem Kaffeezug oder Kaffeeschiff zu uns und mach­ten sich einen schö­nen Nachmittag.

Die Sommer waren heiss. Oft hat­ten wir hit­ze­frei und brauch­ten nicht in die Schule. Hinten im Garten hat­ten wir drei klei­ne, schwarz-weiss karier­te Häusschen, das war die Hühnerstelle. Die Sorten wur­den getrennt gehal­ten: klei­ne Zwerghühner, die mein Vater mit­ge­bracht hat­te, rote Isländer und weis­se Rheinländer. Die Glucke mit den Kleinen hat­te noch ein extra Stelle für sich. Meine Mutter und die ande­ren Frauen tausch­ten die Hühner unter­ein­an­der. Als ich sie­ben war, hat­ten wir ein­mal eine böse Glucke, die ihren Kückelchen solan­ge auf den Kopf pick­te bis sie tot waren. Das kann ich nicht ver­ges­sen. Eine bös­ar­ti­ge Mutter, das gibt es auch bei Tieren.

Einen Jagdhund hat­ten wir auch, aus­ser­dem ein Karussel und eine Rutschbahn.

Und dann der Wald! Im Wald, wo wir Walderdbeeren und Brombeeren such­ten, war es mär­chen­haft. Ansonsten lagen wir im Sommer ewig im Wasser: Sonne, Wasser und Wald, eine urge­sun­de Zeit.

Der Winter dage­gen war hart. Bei Glatteis fiel ich bestimmt zehn mal auf den Hintern, aber ich konn­te nicht sagen: “Herr Lehrer, es ist Glatteis, dar­um kann ich nicht kom­men.” Ich fin­de die har­ten Sitten von damals gut. Wer zu spät kam, muss­te zehn Minuten an der Türe ste­hen blei­ben. Da hat­te ich dann eben Angst zu spät zu kom­men, weil ich nicht an der Türe ste­hen blei­ben woll­te vor der gan­zen Klasse.

Um grös­se­re Gesellschaften anzu­zie­hen hat­ten mei­ne Eltern im Sommer einen Tanzlehrer namens Weisskirchen ange­stellt. Die ers­ten Töchter von Bonn und Umgebung erschie­nen, in weis­se Kleider gehüllt, in unse­ren Hotel zum Tanz- und Anstandsunterricht. Hilde und ich, als Gastwirtskinder, schau­ten von der Türe aus dem Treiben zu. Ich sehe den Balletmeister noch vor mir: gross und schlank, wie im Film! “Und eins, zwei, drei, qua- drill- ion alles…”

Später grün­de­ten mei­ne Eltern einen Karnevalsverein. Der Obergärtner von Konsul Schnitzler aus Oberwinter war der Präsident. Ein ande­re Figur war Herr Bauer. Unser Verein hat­te genau einen Wagen (!), wenig im Vergleich zur Stadt, aber ich fand es viel schö­ner. Mit dem Wagen fuh­ren sie Rolandseck, Rolandswerth, Rolandseck-Oberwinter. Abends waren bei uns Sitzungen. Wir hat­ten einen Saal, der gross genug dafür war. Es wur­de viel impro­vi­siert und brauch­te dar­um nicht viel kos­ten: lee­re Bierfässer, Bohlen und ein Teppich dar­über und schon war ein Tisch fer­tig. Bei den Sitzungen, die ab November began­nen, kamen die Karnevalsvereine aus der Umgebung zu Besuch. Das lief bis zum Rosenmontag. Die Sitzungen waren lus­ti­ger und weni­ger poli­tisch als heu­te, alles unter dem Decknamen Kaiser.

Der Geburtstag des Kaisers

Am 27sten Januar hat­te der Kaiser Geburtstag. In Oberwinter führ­ten wir mit der gan­zen Schule Reigen auf. Alle Mädchen hat­ten damals lan­ge Haare und zur Ehre des Kaisers und Feier des Tages tru­gen wir schwarz-weis­se Haarbänder. Auch die Jungs tru­gen ein Schleifchen, alle mach­ten ger­ne mit. Die Disziplin war genau­so streng wie bei den Soldaten. Als Grösste war ich immer Flügelmann. Dann san­gen wir, meis­tens dreistimmig:

Der Kaiser ist ein lie­ber Mann,
er woh­net in Berlin…

oder:

Es weht die Flagge schwarz-weiss-rot,
von unse­rem Schiffesmast…

Des Kaisers Geburtstagsessen, das ging immer um und um: jedes Jahr bei einem ande­ren im Hotel. Alle streng­ten sich natür­lich jeweils enorm an. Danach kamen sie aber auch alle. Es wur­de herr­lich… ein wun­der­ba­res Essen.. und alles mög­li­che wur­de bespro­chen, was genau weiss ich ja heu­te nicht mehr. Es war immer recht lus­tig! Ich weiss noch dass sie immer erzählt haben, dass der und der immer soviel geges­sen hät­te, das hab ich noch so im Kopf. Und mei­ne Mutter muss­te immer Büttenreden hal­ten. Viel Vorbereitung; wenn wir mor­gends in die Schule gin­gen, dann sass sie schon im Bett und lern­te die Prologe aus­wen­dig. Sie tat es nicht ger­ne, aber: Geschäft, Geschäft…!

Sie ist sogar in Köln in der Bütt gewe­sen. Wer damals in der Kölner Bütt war, der war schon was. Meine Mutter war gross und schön, sie sah toll aus. Einmal ist sie als Weintraube gegan­gen. Wunderbar! Mit eimem gros­sen Hut vol­ler Weintrauben und einem Kostüm in gold-gelb wie der Wein, und über­all hin­gen Trauben. Also, wir als Kinder him­mel­ten sie an. Was unse­re Mutter alles konnte!

Der Sylvester Ball

In einen Berliner Ballen kam irgend­wie ein zwan­zig Mark Stück. Derjenige der das Zwanzig Markstück fand war dann Ballkönigin oder Ballkönig. Da haben wir soviel Berliner geba­cken! Sie kos­te­ten fünf Pfennig frü­her. Da haben die die immer nur auf­ge­macht. Ich weiss noch, dass in einer Ecke alles voll Berliner lag. Sie woll­ten nur das Zwanzig Mark Stück.

Das Schlachtfest

Am ande­ren Tag haben wir die Berliner dann an die Schweine gefüt­tert. Wir hat­ten zwei Schweine. Davon haben wir eins im Frühjahr und eins im Herbst geschlach­tet, dann gab es jedes­mal Schlachtfest im Ort. In einem sol­chen klei­nen Ort lässt man sich immer wie­der was ein­fal­len um die Leute ranzuholen.

Der Kegelclub

Und Freitags kam der Kegelclub. Dann gab es Reibekuchen für die gan­ze Kolonne, weil wir eben alles hat­ten. Wir waren ein mitt­le­res Hotel, kein fei­nes, denn die haben ja nie eine Kegelbahn. Auch dadurch hat­ten wir mehr Umsatz.

Die Ankunft der Kaffeeschiffe

Wenn im Sommer Schiffe kamen.. mei­nen Vater nann­ten sie immer den freund­li­chen Herrn von der Tankstelle, das stand ja sogar in der Zeitung frü­her.. dann stell­te er sich an die Türe und rief:

Kommt alle her­ein, gros­ser zoo­lo­gi­scher Garten!!”

Die Leute kamen dann alle rein und dann gab es immer etwas beson­de­res: Selbstgebacken so und so, Selbstgebacken so und so. Eine Schwester von mei­nem Vater konn­te alles wun­der­bar backen, weil sie näm­lich in ganz könig­li­chen Häusern Empfangsdame war. Meine Mutter stand mehr am Büffet und pass­te aufs Geld auf.

Der Kriegsbeginn 1914

Und auf ein­mal kam der Krieg. Da seh ich noch das Pferd. Da kam ein Pferd vor­ge­rit­ten, mit der Polizei, und hat­te einen Stellungsbefehl für mei­nen Vater. Er war erst 38 oder 39 bei Kriegsbeginn. Er muss­te direkt am zwei­ten Kriegstag zum Militär. Für mei­ne Mutter war es hart, sie muss­te nun alles allei­ne machen. Wir beka­men stets weni­ger Gäste. In der ers­ten Kriegszeit logier­ten haupt­säch­lich Bahnposten bei uns, gröss­ten­teils sehr gut situ­ier­te Herren. Jede zehn Minuten ging einer mit auf­ge­pflanz­tem Gewehr an den Gleisen vor­bei. Da das Militär viel Material per Bahn beweg­te war es wich­tig die Strecke gegen Attentate zu schüt­zen. Es ging den Bahnposten nicht dar­um, Deserteure zu schnappen.

Der blin­de Fanatismus

Die Begeisterung unter den Soldaten war mass­los: “Deutschland siegt!!”. Wie die Trauben hin­gen Sie an den Zügen um so schnell wie mög­lich an die Front zu kom­men. 40 Jahre kein Krieg, end­lich war es soweit. “Deutschland, Deutschland über alles!” Sie bemal­ten die Züge, so eine Begeisterung wie damals habe ich im mei­nem gan­zen Leben nie wie­der gese­hen. Und das wird auch nie mehr wie­der kom­men. Damals sind sovie­le Jungens gefal­len. Mein Vater war zu rea­lis­tisch um auch in eine sol­che pri­mi­tie­ven Fanatismus zu ver­fal­len. Er ver­stand sich dar­auf Druckpöstchen zu fin­den, genau wie Philipp. Sonst wäre er auch nie wie­der gekommen.

Die kauf­män­ni­sche Schule in Bonn

Wir muss­ten furcht­bar viel ler­nen! Wie ich auf die kauf­män­ni­sche Schule nach Bonn ging sass ich schon um sechs Uhr im Zug. Es fuhr nur ein Zug: um 6 Uhr 10. Erst lief ich zum Bahnhof Rolandseck und dann war­te­te ich in Bonn noch­mal andert­halb Stunden bis Schulbeginn. Im Warteraum waren noch mehr Schüler. Es waren immer mehr Jungens als Mädchen. Wir lern­ten oder mach­ten Spass. Bange war ich nicht! Ich habe lie­ber mit­ge­macht. Wir waren so um die 15, 16, 17 Jahre alt.

Ein Streich

Am Bahnhof war ein Möbelgeschäft mit einer alten Dame. Wir gin­gen rein und ich frag­te, ehr­li­ches Interesse vor­ge­bend: “Haben Sie denn auch Nacht-Töpfchen?” Das war eine Gaudi.

Der Kuss

Der Robert, mein ältes­te­ter Bruder ist auch immer mit­ge­fah­ren. Wenn er in die Klasse ging hat er erst ein­mal die Lehrerin geküsst. Er war ja so einer hüb­scher, gros­ser Kerl, und es war ja nur Spass, es war nichts Böses.

Nach der Schule

In Hohenzoll, wo die ers­te Kanone in Bonn geschos­sen wur­de, gin­gen wir nach der Schule manch­mal zusam­men in ein Café, denn unser Zug fuhr immer erst um drei Uhr zurück. Um ein Uhr war die Schule meis­tens aus, sodass wir immer unge­fähr zwei Stunden Zeit hatten.

Die grau­sa­men Strafen

Die Lehrer waren im Allgemeinen sehr streng und zwan­gen uns über­mäs­sig viel Hausaufgaben zu machen. Wenn einer was aus­ge­fres­sen hat­te, muss­te der die Finger hin­hal­ten und bekam mit dem Stock Schläge drauf. Es tat sehr weh. Die Jungens wur­den an den Härchen hoch­ge­zo­gen, bis sie nicht mehr konn­ten und ‘Au’ schrie­en. Robert hat viel zu viel Schläge bekom­men aber lach­te nur dabei. Einmal platz­te ihm die Hose. Er hat­te so ein klei­nes blau­es Leinenhöschen an. Der Lehrer hat so fest geschla­gen wie er nur konn­te. Im Tisch befan­den sich ein­ge­bau­te Tintenfässer, mit ver­schie­ba­rem Deckel, wir kann­ten damals noch kei­ne Füller, und Robert rief: “Herr Lehrer, Herr Lehrer, mein Pillemann hängt im Tintenfass !!” Die Hose war geplatzt. Der Lehrer hät­te ihn kaputt schla­gen kön­nen, aber Robert hät­te nie im Leben geweint. Mensch, war der Robert hart im Nehmen!

Der ande­re Bruder war brav und lieb. Er war nicht so schlau und muss­te mehr und schwe­rer ler­nen, bis er end­lich was konn­te. Robert konn­te alles und dabei lern­te er nie. Er wuss­te bei­nah alles.

Wie oft habe ich die Aufgaben für ihn gemacht! Eigentlich nur aus Angst dass er wie­der so schlimm geschla­gen wer­den könn­te, aus Mitgefühl eben. Meine Mutter wur­de selbst­ver­ständ­lich über­haupt nicht mit Ihm fer­tig, beson­ders wie mein Vater nach­her im Krieg war.

Mir geht’s gut, dei­ne Rübe !

Robert ging mit 16 frei­wil­lig zum Militär, 1916. Meine Mutter war eines­teils froh, ande­ren­teils auch besorgt, weil sie nicht wuss­te ob und wann er wie­der kommt. Er schrieb manch­mal drei bis vier Monate nicht und sie wein­te oft um ihn: “Der Junge ist gefal­len…, der Junge ist gefal­len..” Sie erkun­dig­te sich beim Batallion, bei der Kompanie. Nein, nein, alles wäre in Ordnung. Auf ein­mal kam eine Karte. Robert steht auf einer klei­nen Feldlokomotive und schip­pt Kohlen.

Liebe Mutter, mir geht’s gut, Gruss, Deine Rübe !”

Das Elend wäh­rend des Krieges

Mit der Schule gin­gen wir ein­mal wäh­rend des Krieges zum Ölberg ins Siebengebirge. Dort konn­ten wir das Donnergrollen von Verdun hören. Stalingrad und Verdun ähneln sich ja ein biss­chen. Da trank einer vom ande­ren die Pisse um am Leben zu blei­ben. Furchtbar.

Beim Rückzug waren sie nur noch Gestelle.

Im letz­ten Kriegsjahr hat­ten wir auch Hunger. Gut dass wir unse­ren Vater hat­ten! Erst war er bei der Trenk, Pferdeversorgung, und wie sich die Möglichkeit bot, wur­de er Metzger. Wie er in Charleville arbei­te­te, frag­te er Reisende ob sie so freund­lich wären ihm Ihren Urlaubsschein zu lei­hen damit er sei­ner Familie ein Päckchen auf­ge­ben könn­te. So war es ihm mög­lich uns Fleisch zu schi­cken. Er schick­te uns Fett oder Stücke Speck, zur Tarnung ver­packt in einer Blase, es durf­te ja kei­ner wis­sen. Auch Reis, eigent­lich für die Soldaten, hat er abge­zwackt. Die Jungens hol­ten die Sendungen am Bahnhof ab. Manchmal waren auch schon Maden dran, die haben wir dann abge­schnit­ten und es trotz­dem gekocht. Der Hunger war so gross, das kann sich gar kein Mensch vor­stel­len. Du durf­test auch nie­man­dem sagen das du was zu essen hattest.

Und dann, wie der Krieg alle war, kam die furcht­ba­re Grippe. 20 Millionen Deutsche star­ben. In Köln gra­sier­te die Epidemie beson­ders ver­nich­tend. Es gab kei­ne Medikamente oder Behandlung. Wir hat­ten den Krieg ver­lo­ren, und sie haben uns alles abgeschnitten.

Die Soldaten brach­ten auch die Ruhr mit. Diese Krankheit ver­ur­sacht irr­sin­ni­ge Schmerzen und man muss sechs Wochen nur zur Toilette. Das ein­zi­ge was man zu sich neh­men kann ist Pfefferminztee und Zwieback. Von der Ruhr wird man total schlapp.

Das Hotel wird ein Lazarett

Einmal bekam einer von den Soldaten ein Bein abge­nom­men. Mensch, der schrie wie am Spiess. Der gan­ze Saal lag vol­ler ver­wun­de­ter Soldaten. Die Schwestern und das Lazarett wur­den vom Staat bezahlt. Wir beka­men 50 Pfennig für jedes Bett. Das war eine zeit­lang die ein­zi­ge Einnahmequelle mei­ner Eltern, aber durch die Soldatenküche beka­men wir auch zu essen. Unsere Familie zähl­te schliess­lich fünf Kinder.

Das Ende des Krieges

Ja und dann fuh­ren die let­zen deut­schen Soldaten zurück, so abge­ma­gert, dass die Pferde fast auf der Strasse umfie­len. Einmal haben wir eine Wurst aus einem Militärwagen geklaut. Sie war so hart wie ein Stein. Man konn­te sie unmög­lich essen. Wie soll­ten unse­re Soldaten sich von sol­chen Rationen ernäh­ren? Wer weiss was da für Zeug drin war! Zeitweise haben wir sogar Ratten geges­sen, Rattenleberwurst aus Hamburg. Hunger tut weh. Das war 1918.

Die let­zen Soldaten fuh­ren mit der Fähre rüber. Wer es nicht über den hal­ben Rhein schaff­te, kam noch in Gefangenschaft. Das gan­ze Dorf stand am Rhein und zit­ter­te um die letz­ten paar Soldaten von uns.

Honnef war frei. Wir aber gehör­ten zum Brückenbogen. Deutschand wur­de näm­lich in fran­zö­si­sche, ame­ri­ka­ni­sche und eng­li­sche Abschnitte ein­ge­teilt. Manch einer schwamm nachts noch rüber nach Honnef, in die Freiheit, um der Gefangenschaft zu ent­ge­hen. Robert, die Rübe, brach­te manch­mal Leute mit dem Nachen nach Honnef. Er tat viel für ande­re Menschen.

Im zwei­ten Krieg ret­te­te er ganz Rolandseck. Er sperr­te alle im Schloss ein. Dort war damals der Bahnhof. Jetzt ist es ein gros­ses Museum von Bonn, unter Denkmalschutz. Die Familie von Paul Vincent, mei­nem Schulfreund, hat­te dort ein Restaurant. Er und Robert hat­ten alle Dorfbewohner im Schloss zusam­men­ge­ru­fen. Mein Bruder lief den Amerikanern allein und mit aus­ge­brei­te­ten Armen ent­ge­gen und rief ihnen etwas zu. Ich weiss nicht mehr was, aber sein Englisch hat ihn geret­tet. Es fiel kein ein­zi­ger Schuss in Rolandseck. Keinen haben sie raus­ge­holt, er kämpf­te für die Leute.

Neulich stand er noch in der Zeitung, anläss­lich sei­nes 80sten Geburtstages. Viele schick­ten ihm Karten und Blumen. Angst kann­te er nicht. Einmal ging das Schiff unter, auf dem er zur See fuhr. Aber er ist nicht unter­ge­gan­gen. Er hat­te die­sen star­ken Lebenswillen.

Mein Vater kam kurz vor Kriegsende 1918 zurück aus Russland. Er trug einen lan­gen Bart.

Die ame­ri­ka­ni­sche Besatzung

Und wie die Soldaten halb über den Rhein waren im ers­ten Krieg, spiel­te die Kapelle Deutschland, Deutschland über alles und wir wein­ten. Ich wuss­te nicht was auf uns zukommt, unter der Besatzung. Und schon kam oben auf der Strasse die ers­te Kontrolle durch­ge­fah­ren, Motorad mit Beisitzer.

Rolandseck hat­te etwa hun­dert Einwohner; es gab nur Villen und Hotels. Am Abend hat­ten wir zwei­tau­send Mann Besatzung im Ort. Im Nu waren 35 Soldaten im Haus, Zeit zum Überlegen gab es kei­ne. Sie lie­fen durchs Haus und gaben auf Englisch Anweisungen. Betten zusam­men­rü­cken, hier vier Mann, da drei Mann. Wir muss­ten alle auf ein Zimmer. Vater und Mutter hat­ten ein eige­nes Zimmer, mit der klei­nen Leni.

Aber dann waren wir ja sehr, sehr.…. ange­tan wie nett sie waren. Am ers­ten Abend brach­ten sie gleich einen gan­zen Eimer Schmalz.

Die Amerikaner assen oft Sauerkraut mit Speck und Marmelade. Nachher koch­ten wir auch für sie. Mein Vater schlach­te­te Pferde und Kühe. Die lie­fen ja damals frei her­um, sie gehör­ten kei­nem Menschen. Die Amis hat­ten im Krieg vie­le Entbehrungen erlit­ten und es schmeck­te ihnen dop­pelt. Wir hat­ten fäss­er­wei­se Bohnen ein­ge­macht. Bei Bekannten in Bonn, die eine gros­se Konditorei hat­ten, hol­ten wir sta­pel­wei­se Torten. Wir nann­ten sie Schaumscheisse, denn es gab doch damals gar nicht viel gute Zutaten: das meis­te war Schaum!

Da haben wir unser ers­tes Geld gemacht. Am Büffet lern­te ich rech­nen: einer bezahl­te mit Franken, einer mit Dollar und wie­der ande­re mit deut­schem Geld. Meistens stand ich am Schösschen, eine Kasette hat­ten wir noch nicht. Abends brach­te ich eine Schürze mit Geld nach oben und mein Vater zähl­te es dann: “Ach! Endlich mal wie­der Luftholen!” Das ging ziem­lich lan­ge so. In der Zeit bekam ich drei Heiratsanträge, drei Mal hät­te ich mit rüber nach Amerika gekonnt.…

Mein Vater war mei­nes Wissens nie krank. Abends ging er um 9 oder 10 Uhr ins Bett, da hat­te er nichts mit zu tun. Herbert hat viel von ihm geerbt, bestimmt! Morgends stand er um 5, 6 Uhr auf und ging dazwi­schen. Meine Mutter schlief län­ger und blieb dafür abends län­ger auf.

Die Weinhandlung nach dem Krieg

Nach der vie­len Arbeit und dem Ärger mit den Soldaten und den Schwestern war mei­ne Mutter krank. Darum ver­kauf­ten wir das alte Haus, kauf­ten ein neu­es und bau­ten es um. Es gehört uns jetzt nicht mehr, aber es steht heu­te noch. Es hat­te einen wun­der­ba­rer Felsenkeller, mit einem gros­sen Tor, wo Wasser run­ter­lief. Diesen Keller bau­ten wir aus und began­nen eine Weinhandlung. Mein Vater hat­te schon wäh­rend und kurz nach dem Kriege den Handel mit Wein ange­fan­gen: er fiel immer wie­der auf die Füsse!

Vor uns hat­te Familie Mehler in dem Haus eine Kuckie Fabrik, so nann­te man frü­her Schuhputzmittel. Die Mehlers gin­gen nach Köln und hat­ten dort eine Automobilvertretung. Sie haben uns spä­ter in Essen eine Renaultvertretung ange­bo­ten. Wir schlach­te­ten alles aus, und da wo die Kuckie waren, wur­de dann immer Wein gepackt, in Kisten. Wenn ich Flaschen spül­te und Wein abfüll­te war ich manch­mal nass bis auf den Bauchnabel. Es gab wenig Arbeitskräfte in der Zeit nach dem Krieg und wir mach­ten soviel wie mög­lich selber.

Gottschalk & Murmann gegen den Rest der Welt

Mit dem Fuhrwerk hol­ten wir Fässer vom Bahnhof ab. Wenn es gar nicht mehr ging muss­te ich immer kom­men: “Irma, du musst mal wie­der kom­men! Die krie­gen das Fass da nicht rauf.” Ich sag­te nur: “Was?!… ihr kriegt das Fass nicht da rauf?…”, stell­te mich hin: ” Und eins… zwei… hau­ruck!” und das Fass war oben. Ich hat­te Bärenkräfte! Auch auf der Schule, beim Grenzballspiel, gewan­nen die Mädchen meis­tens gegen die Jungens. Wenn Amalie oder ich den Ball beka­men, wuss­ten die Jungens schon: soweit kön­nen wir gar nicht lau­fen, so weit wie die den Ball wegwerfen.

Robert war ein Jahr in Battenburg in einer Weinfirma um Bürokaufmann zu ler­nen. Der klei­ne Bruder Erich ging auf die Weinbauschule in Ahrweiler. Da hat­ten wir schon wie­der etwas mehr Geld. Ich war ein Jahr in Eisenach auf der Haushaltungsschule. Im Oktober 1920 kam ich zurück und im Januar lern­te ich Philipp ken­nen. Im dar­auf fol­gen­den Oktober war ich schon verheiratet!

Der Sommer 1921 war wahn­sin­nig heiss, ich sah aus wie ein Neger! Mit dem Weinhandlung gab es auch viel Spass. Das Hotel Metropol in Königswinter hat­te nur einen Sohn namens Thomas. Sie woll­ten immer das der die Hilde hei­ra­tet. Abends kam er mit dem Böötchen ange­fah­ren, mit Kapelle und voll Wein. Wir hin­gen Laternen dran und fuh­ren mit dem illu­mi­nier­ten Boot samt Kapelle den Rhein rauf. Der Mond schien, wir tanz­ten und hat­ten jede Menge Spass.

Die Haushaltsschule 1919/20

Wir waren mit hun­dert­zehn Mädchen auf dem Internat in Eisenach. Es war auch ein Seminar für Haushaltslehrerinnen. Jeder hat­te sei­ne Tageseinteilung, einer mach­te die Besenkammer, ein ande­rer den Flur… und dann gab es Kaffee! Es war spär­lich: Malzkaffee, zwei Schnitten Brot und Marmelade, kei­ne Butter. Dann muss­ten wir den gan­zen Tag arbei­ten. Drei von mei­nen Freundinnen aus die­ser Zeit habe ich das gan­ze Leben die Treue gehal­ten. Leni Barbell und Frau Dokter kamen aus Thüringen, und Peule aus Heidelberg.

Erst hat­ten wir Kochen, dann Lehrmittelunterricht. Das ging zum Beispiel über den Nährwert von Mehl. Fleisch schlach­ten und Wurst machen gehör­te auch zum Programm. Wir arbei­te­ten in Zweiergruppen. Grundregel war den Tisch immer sau­ber zu hal­ten. Die Klassen waren ver­schie­den. Manche gin­gen nur ein hal­bes Jahr, ande­re zwei Jahre. Es gibt ja Eltern die sagen ‘Hauptsache das Kind ist gut auf­ge­ho­ben dort.’

Von acht Stundentag hat­ten wir noch nichts gehört. Mittags und Nachmittags hat­ten wir je zwei Stunden frei und gin­gen spa­zie­ren, teil­wei­se inklu­siv Naturkundeunterricht. Stadturlaub war beschränkt auf eine Stunde. Wer nicht zei­tig zurück kam, sah einer siche­ren Strafe ent­ge­gen. Das Internat war am Berg gele­gen, auf der Bornerstrasse. Es war ein gros­ser lan­ger Bau, und ein extra Gebäude in dem die Lehrerinnen aus­ge­bil­det wur­den. Wir lern­ten Gesellschaften, Tisch decken und deko­rie­ren. Da ich die ein­zi­ge aus dem Rheinland war, war es mei­ne Aufgabe Karnevalsdekorationen zu machen. Selbst Nähmaschinen nah­men wir aus­ein­an­der, damit wir wuss­ten wie sie funk­tio­nier­ten. Frau Börrlin lei­te­te unse­re Klasse.

Trude, das Genie

Eine mei­ner Freundinnen war Trude Herrmann aus Berlin-Rathenau. Ihr Mann kam krank aus dem Krieg wie­der und starb. Das traf sie hart. Von ihr lern­te ich mehr als von der gan­zen Schule, sie war ein Genie. Sie war wohl ein paar Jahre älter als ich. Sie mal­te, flick­te und koch­te, sie konn­te ein­fach alles. Auf Männer war sie sehr flott ein­ge­stellt. Eine män­ner­schar­fe Nudel war sie! Sie foto­gra­fier­te und ent­wi­ckel­te sel­ber — in der Zeit war das sehr fort­schritt­lich. Das konn­te der Tausendste noch nicht. Ihr Elternhaus war nicht über­mäs­sig reich, von Hause aus hat­ten sie eine Ledergerberei — ein­mal sahen wir im Schaufenster eine schö­ne Schreibmappe: “Mensch, Irma, die kön­nen wir uns sel­ber machen!” Sie pack­te einen Bleistift, mach­te ein paar Skizzen, kauf­te schwar­zes Leinen, Wolle und dann mach­te sie die Schreibmappe.

Bei ihr zuhau­se, bei ihren Eltern, hat­te sie sich aus Weinkisten ein Frisörtoilette gemacht, aus Seiden und Stoffresten zau­ber­te sie im Nu ein Sofakissen oder einen Würfel. Karakterlich war ich viel­leicht nicht immer auf einer Linie mit ihr, aber Genie kann man ihr nicht absprechen.

Minna und die fal­sche Sahne

Im Internat haben wir oft näch­te­lang gelacht. Bei der bild­schö­nen Peule Schmücker lern­te ich rich­tig Kaffeekochen.

Die ande­ren nann­ten mich Minna, da ich einen guten Charakter hat­te und immer hilfs­be­reit war. Ich war aus­ge­gli­chen und lus­tig. Kaffeekochen durf­te ich nicht, da habe ich mich schon geär­gert. Ich wahr­te den­noch diplo­ma­ti­sches Stillschweigen. Die meis­ten hat­ten mich gern. Manchmal san­gen sie für mich.

Irma, du bist mei­ne Sonne, hol­lahia­ho
alles schrei­et vol­ler Wonne, hollahiaho

Trude wuss­te natür­lich wie­der wie man fal­sche Sahne mach­te und ich “besorg­te” die Sachen, die sie nötig hat­te in der Küche: Schneebesen, Schüssel, Griesmehl…

Abenteuer in der Stadt

Zweimal blie­ben Trude und ich über die Zeit in der Stadt, als wir uns mit Jungens tra­fen. Wir wur­den erwischt. Von unse­ren Direktorinnen hiess die eine Qualle, weil sie so dick war und die ande­re Bremse, schein­bar die tüchtige…

Trude mit dem gros­sen Mund! Jetzt wo es drauf ankam, sag­te sie: “Geh Du rein, geh du rein!” — “Ja, ich geh rein”, sag­te ich, “die schlägt mich doch nicht tot!” Die Direktorinnen schimpf­ten uns aus und wir beka­men zur Strafe wochen­lang Ausgehverbot.

Andere gin­gen nachts aus, wir stan­den auf dem Balkon und wink­ten wenn die Luft rein war zum zurück­kom­men. Es waren neu­gie­ri­ge Mädchen unter uns, die woll­ten was erle­ben. Die fünf­zehn­jäh­ri­ge Lole aus Wien war aller­dings naiv. Sie hat­te ein Einzelzimmer, war wohl aus sehr rei­chem Hause. Mit der Kerze stand sie draus­sen auf den Balkon wäh­rend unten die jun­gen Männer von der höhe­ren Schule sangen:

Die Weiber auf der Welt,

sind schlech­ter wie das Geld

mit ihrem lieben…

Von der Kerze erhellt bot Lole in ihrem dün­nen Negligé einen präch­ti­gen Anblick für die Freier.

Der Besuch in der Hauptstadt

Nach dem Internat besuch­te für drei Wochen mei­nen Onkel in Berlin. Das war im November/Dezember 1921. Er woll­te mich immer adop­tie­ren, so gern hat­te er mich. Meine Freundinnen aus der Berliner Ecke traf ich natür­lich auch. Eine war aus Charlottenburg und eine aus Oranienburg. Kaffetrinken im Café Kranzler. Ich weiss nicht wie ich es geschafft habe mit der U‑Bahn fer­tig zu wer­den. Ein Wunder. Der Bruder mei­ner Mutter, Willi Sohn, bestell­te eine Hellseherin. Er frag­te Frau Rose: “Was wird mit mei­nem Irmchen?” Sie schau­te mich an: “Nächstes Jahr Weihnachten ist Irmchen ver­hei­ra­tet. Sie wird gut hei­ra­ten und kriegt drei Kinder.” Und so kam es dann auch.


Anhang

Bilder von Rolandseck und der Familie Murmann

Katharinenkarte, von Nikolai v. Astudin
Rolandseck, Insel Nonnenwerth und Siebengebirge
Den wei­ßen Düsseldorfer Hof bewirt­schaf­te­te die Familie Murmann ab 1907
Rolandseck, im Garten des Düsseldorfer Hofs um 1910
(von links nach rechts: Erich, Lisette, Hildegard, Vater Robert, Irma, Sohn Robert)

Die Eltern

Vater Robert Murmann
Geb. 14. Juni 1876 in Wuppertal-Elberfeld,
gest. 24. Mai 1937 in Remagen.
Mutter Lisette Murmann (geb. Sohn)
Geb. 24. September 1877 in Hupperichroth,
gest. 20. November 1925 in Godesberg.

Das Paar hei­ra­te­te im Dezember des Jahres 1900 in Gelsenkirchen und hat­te fünf Kinder.

Die Kinder der Familie Lisette und Robert Murmann

Sohn Robert Murmann
Geb. 2.9.1901 in Gelsenkirchen, gest. in Rolandseck ca. 1990.
Tochter Irma Murmann
Geb. 1.4.1903 in Gelsenkirchen, gest. 5.6.1994 in Mettmann
Sohn Erich Murmann (mit Mutter Lisette)
Geb. 17.9.1904 in Gelsenkirchen, gest. in Rolandseck ca. 1950
Tochter Hildegard (Hilde) Murmann
Geb. 23.2.1906 in Buhr, gest. in Bochum ca. 1980

Tochter Lieselene (Leni) Murmann
Geb. 29.6.1915 in Rolandseck, gest. 2.8.1954 in Berlin

Wie dieses Pamphlet entstand

Den Text habe ich anhand eines Interviews aus dem Jahre 1981 zusam­men­ge­stellt. Das Interview mit mei­ner Oma, die ein gro­ßes Erzähltalent hat­te ihr beweg­tes Leben ande­ren mit­zu­tei­len, hat­te ich sei­ner­zeit auf Tonband aufgenommen.

Zwölf Jahre spä­ter, anläss­lich Oma Irma’s neun­zig­jäh­ri­gem Geburtstag, am 1. April 1993, habe ich das Interview tran­skri­biert und als Geschenk überreicht.

Im Jahre 2002 über­ar­bei­te Margot Rudolph-Gather den Text. Im Anhang haben wir eini­ge Bilder von Rolandseck und der Familie Murmann hinzugefügt.

Ich wün­sche allen Lesern viel Spass beim Entdecken einer lang ver­gan­ge­nen Zeit.

Berlin, im März 2004
John-Philipp Gather