Eine Begegnung mit der ukrainischen Ermittlern von Kriegsverbrechen Iryna Venediktova

Unten sind die lau­fen­den Bemühungen der Ukraine beschrie­ben, rus­si­sche Kriegsverbrecher vor Gericht zu stel­len. Die Zahl der mit­wir­ken­den Personen lässt mich hof­fen, dass Gerechtigkeit gesche­hen wird. Ich bin dank­bar für jede Person, die an die­ser Anstrengung betei­ligt ist, für die vie­len Zeugen, die mutig ihre so schmerz­haf­te Geschichte tei­len und sie dabei noch ein­mal erle­ben, und hof­fe, dass auch Sie dar­in Inspiration fin­den kön­nen. Ich konn­te nicht erken­nen, wer der Autor des Artikels ist, eine Zuschreibung an Agence Press (AP) und FRONTLINE ist am Ende die­ser Seite. – John Gather


Generalstaatsanwältin Iryna Venediktova wirft einen Blick auf ihr Handy. Die kah­len Zahlen und nack­ten Konten, die sich in ihrer Hand abrol­len, sind nur der Anfang; Ihre Mitarbeiter wer­den sie kata­lo­gi­sie­ren, unter­su­chen – und ver­su­chen, die rus­si­schen Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen.

Das ist ihr Zweck: Wladimir Putin und sei­ne Truppen für das bezah­len zu las­sen, was sie getan haben. Während Gerichte auf der gan­zen Welt dar­an arbei­ten, Russland zur Rechenschaft zu zie­hen, wird der Großteil der Ermittlungen – und die meis­ten Strafverfolgungen – wahr­schein­lich von der Ukraine selbst durchgeführt.

Für Venediktova ist das persönlich.

Ich schüt­ze das öffent­li­che Interesse der ukrai­ni­schen Bürger. Und jetzt sehe ich, dass ich die­se toten Kinder nicht beschüt­zen kann“, sagt sie. „Und für mich ist es Schmerz.“

Als ers­te Frau, die als Generalstaatsanwältin der Ukraine dien­te, spricht Venediktova mit stäh­ler­ner Entschlossenheit und gele­gent­li­chem Humor und geht ihre Aufgabe mit einer uner­bitt­li­chen Arbeitsmoral an.

Venediktova, eine 43-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Juraprofessorin, ist alle paar Tage unter­wegs, die Jacken und Kleider ihres alten Lebens wer­den zuneh­mend durch oliv­grü­ne Uniformen und eine schuss­si­che­re Weste ersetzt. Mahlzeiten nimmt sie eilig im Auto ein oder lässt sie ganz aus.

Es gibt kei­ne Sprechzeiten mehr. Es gibt nur Kriegszeiten, die früh begin­nen und spät enden, wie Reporter der Associated Press, die einen Tag mit ihr ver­brach­ten, erfah­ren würden.

Ihr Büro hat bereits über 8.000 straf­recht­li­che Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Krieg ein­ge­lei­tet und über 500 Verdächtige iden­ti­fi­ziert, dar­un­ter rus­si­sche Minister, Militärkommandanten und Propagandisten – auch wenn eine Reihe inter­na­tio­na­ler Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen Fahrt aufnimmt.

Die Hauptfunktion des Rechts besteht dar­in, zu schüt­zen und zu ent­schä­di­gen. Ich hof­fe, dass wir das schaf­fen, denn jetzt sind es nur noch schö­ne Worte, kei­ne Rechtsstaatlichkeit mehr“, sagt Venediktova. „Es sind sehr schö­ne Worte. Ich möch­te, dass sie arbeiten.“

General Iryna Venediktova spricht am 22. März 2022 vor einem Verarbeitungszentrum in Lemberg, Ukraine, mit Flüchtlingen. (AP Photo/Erika Kinetz)

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An einem Dienstagmorgen mar­schiert Venediktova auf eine dich­te Schlange von Flüchtlingen zu, die in der kal­ten Sonne vor einem Bezirksverwaltungsgebäude in Lemberg auf die Registrierung war­ten. Ihr Sicherheitsdetail, bewaff­net und schwarz geklei­det, schwebt in der Luft, als sie in die Menge von Frauen und Kindern trat.

Venediktova hat Staatsanwälte in Flüchtlingszentren im gan­zen Land und an Grenzübergängen sta­tio­niert, um zu ver­su­chen, die Scherben des Leidens von Millionen von Ukrainern zu sam­meln und sie in Fakten und Beweise umzu­wan­deln, bevor sie verschwinden.

Venediktova fegt nach oben, einen schma­len Flur hin­un­ter in einen kah­len Raum mit zwei gro­ßen schwar­zen Schreibtischen, den sie „das Herz des Büros für Kriegsverbrechen“ in Lemberg nennt. Ihre Abteilung für Kriegsverbrechen hat rund 50 enga­gier­te Staatsanwälte, aber sie hat alle ihre Mitarbeiter umge­wid­met, um sich auf die­se Mission zu konzentrieren.

Viele wol­len ihr Gesicht nicht öffent­lich zei­gen. Es gibt erns­te Sicherheitsfragen, sowohl für ihre Leute als auch für die Informationen, die sie sam­meln. Staatsanwälte spre­chen hier eher mit grim­mi­gem Pragmatismus von der Zukunft. Es ist nicht nur die Unvorhersehbarkeit des Krieges; Es ist ein still­schwei­gen­des Eingeständnis, dass sie selbst mor­gen viel­leicht nicht da sind, um das zu been­den, was sie begon­nen haben.

Staatsanwälte durch­que­ren jeden Tag die Schlange der Flüchtlinge im Zentrum von Lemberg und suchen nach Zeugen und Opfern, die bereit sind, eine Aussage abzu­ge­ben. Manche Geschichten wer­den nicht erzählt. Die Leute sind zu weit gekom­men, sie sind zu müde. Oder Angst. Ihre Säuglinge sind unru­hig. Sie haben Orte, an die sie gehen können.

Interviews kön­nen Stunden dau­ern. Über Laptops gebeugt, war­ten Staatsanwälte die Tränen der Menschen ab, um zu fra­gen, wie der Beschuss geklun­gen hat, wel­che Art von Sprühmunition beim Aufprall erzeugt wur­de. Sie fra­gen, wel­che Uniformen, wel­che Abzeichen Soldaten tru­gen. Dies ist das Rohmaterial der Rechenschaftspflicht, das ers­te Glied in einer Verantwortungskette, die Venediktova bis zur rus­si­schen Führung zu ver­bin­den hofft.

Ala, 34, sitzt mit Staatsanwälten zusam­men und erklärt, wie sie ihr Zuhause ver­lo­ren hat. Sie möch­te nicht, dass ihr Nachname ver­öf­fent­licht wird, weil ihre 8‑jährige Tochter immer noch in rus­si­schem Territorium gefan­gen ist.

Ala ver­spricht, mit einem Fragment eines Mörsers zurück­zu­keh­ren, der ihre Wohnung in Vorzel, einer Stadt weni­ge Kilometer west­lich von Bucha, zer­stört hat. Sie hat­te das Metall, dicht und grau in ihren Händen, als Andenken an das, was sie über­lebt hat­te, gesam­melt. Und als Beweis.

Wir brau­chen Beweise, damit sie bestraft wer­den kön­nen“, sagt sie. “Ich bin glück­lich. Ich bin immer noch hier, um dar­über zu spre­chen, was mir pas­siert ist.“

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Kurz vor Mittag ver­lässt Venediktova das Flüchtlingslager und steigt in einen schwar­zen Geländewagen, der zur pol­ni­schen Grenze fährt, etwa eine Stunde nörd­lich. Eine Polizeieskorte jagt sie durch eine Landschaft aus rau­en Häusern und win­ter­li­chen Baumknochen, vor­bei an alten Friedhöfe, ver­ros­te­te Kinderschaukeln, die glän­zen­den Kuppeln von Kirchen. Die ein­zi­gen Zeichen des Krieges sind trot­zi­ge Werbetafeln, die den Sieg für die Ukraine und den Tod des Feindes ver­kün­den, und Kontrollpunkte mit Sandsäcken und Igelbarrikaden, um Panzer zu stop­pen, die noch nicht gekom­men sind.

Venediktova kennt die­se Straßen gut. Sie rei­tet sie end­los hin und her, um aus­län­di­sche Beamte zu tref­fen, die es nicht wagen, sich in ein Land im Krieg zu wagen.

Eigentlich lebe ich in einem Auto“, sagt sie. „Ich brau­che Hilfe, Unterstützung, Berater. Ich brau­che Leute, die ver­ste­hen, was als nächs­tes kommt.“

Ihr Büro arbei­tet eng mit Staatsanwälten des Internationalen Strafgerichtshofs und fast einem Dutzend Ländern zusam­men, dar­un­ter Polen, Deutschland, Frankreich und Litauen, die alle straf­recht­li­che Ermittlungen zu Gräueltaten in der Ukraine ein­ge­lei­tet haben.

Sie hat hoch­ran­gi­ge Rechtsberater aus dem Vereinigten Königreich ein­ge­stellt und arbei­tet mit den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zusam­men, um mobi­le Ermittlungsteams mit inter­na­tio­na­ler Expertise auf­zu­bau­en. Clint Williamson, ein ehe­ma­li­ger US-Botschafter für Kriegsverbrechen, hilft bei der Überwachung die­ser Bemühungen, die vom US-Außenministerium finan­ziert werden.

Damit müs­sen wir uns aus­ein­an­der­set­zen“, sagt Williamson. „Es muss gezeigt wer­den, dass die Länder ent­schlos­sen sind, sich für das huma­ni­tä­re Völkerrecht ein­zu­set­zen und Menschen, die so ekla­tant dage­gen ver­sto­ßen, zur Rechenschaft zu ziehen.“

Ein Teil ihrer Aufgabe besteht nun dar­in, dafür zu sor­gen, dass die gesam­mel­ten Beweise inter­na­tio­na­len Standards ent­spre­chen, damit die Aussagen von Menschen wie Liudmila Werstiouk, einer 58-jäh­ri­gen Frau, die die Belagerung von Mariupol über­lebt hat, nicht aus dem Verkehr gezo­gen wer­den Gericht.

Venediktova trifft Werstiouk in einem pro­vi­so­ri­schen Büro am Grenzübergang Krakivets an der Grenze zu Polen. Sie kam aus Mariupol mit ihren Papieren, ihrem Telefon und der Kleidung auf dem Rücken – ein Velourskleid, schwar­ze Strümpfe, wei­ße Winterstiefel. Ihre Wohnung wur­de am 8. März bom­bar­diert, und sie sag­te der Staatsanwaltschaft, dass sie bei ihrer Flucht ihren 86-jäh­ri­gen Vater in dem bren­nen­den Gebäude zurück­ge­las­sen habe. Er hat Alzheimer und kann nicht laufen.

Werstiouk sagt, sie habe eine Woche im Schauspielhaus von Mariupol Zuflucht gesucht. Sie brach am Tag auf, bevor Bomben dort schät­zungs­wei­se 300 Menschen töteten.

Telefonisch konn­te sie nie­man­den errei­chen, der drin­nen war. Oder ihr Vater.

Warum hat Russland mich ange­grif­fen?“ Sie sagt. „Es hat mei­ne Stadt zer­stört – wofür? Für was? Wer gibt mir dar­auf eine Antwort, und wie lebe ich weiter?“

Im Laufe eines fünf­stün­di­gen Interviews nimmt Staatsanwalt Stanislav Bronevytskyy die Aussage von Werstiouk auf. „Sie kann sich an jedes Detail erin­nern, jede Minute und Sekunde“, sagt er.

Er tippt Verstiouks Geschichte ab und lädt sie in eine zen­tra­le Datenbank hoch.

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Weite Teile der Ukraine wur­den in poten­zi­el­le Tatorte ver­wan­delt. Jeden Tag meh­ren sich die Tragödien und schaf­fen einen unüber­wind­li­chen Haufen von Fakten, die ermit­telt und geret­tet wer­den müssen.

Selbst für die mehr als 8.000 Mitarbeiter, die für Venediktova arbei­ten, gibt es viel zu viel Arbeit. Zurück von der Grenze am Nachmittag setzt Venediktova ihre Kampagne zur Unterstützung fort, indem sie Zoom-Anrufe mit Amal Clooney und einer Gruppe inter­na­tio­na­ler Spender durchführt.

Als Präsident Wolodymyr Selenskyj Venediktova im März 2020 ernann­te, erb­te sie ein Amt, das von Korruptions- und Ineffizienzvorwürfen geplagt war, und ein Gesetzbuch, das exter­ne Experten als drin­gend reform­be­dürf­tig bezeichneten.

Sie hat sich als Reformerin prä­sen­tiert. Tausende von Staatsanwälten wur­den ent­las­sen, weil sie die Standards für Integrität und Professionalität nicht erfüllt haben, und so hat sie ein Büro, das nicht voll besetzt ist, um Fälle von Kriegsverbrechen gegen vor­aus­sicht­lich 1.000 Angeklagte vorzubereiten.

Venediktova hat Allianzen mit Menschenrechtsgruppen auf­ge­baut – von denen eini­ge eine Geschichte von Feindseligkeiten mit ukrai­ni­schen Behörden haben – und einer oft miss­traui­schen Öffentlichkeit.

Im März grün­de­te eine Gruppe von 16 ukrai­ni­schen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Gruppen die 5AM Coalition, um mög­li­che Kriegsverbrechen zu doku­men­tie­ren. Neben der Analyse von Open-Source-Material ver­wal­ten sie Netzwerke von geschul­ten Beobachtern, die Beweise im gan­zen Land sam­meln, um sie mit Staatsanwälten zu teilen.

Zu ihnen gesel­len sich Forscher auf der gan­zen Welt, an Orten wie dem Center for Information Resilience, Bellingcat und der International Partnership for Human Rights, die die Flut von Social-Media-Beiträgen durch­fors­tet haben, um zu über­prü­fen, was pas­siert ist und wer dafür ver­ant­wort­lich ist.

Venediktova hat auch nor­ma­le Bürger ermu­tigt, zu hel­fen, indem sie Informationen mit ihren Smartphones sam­meln und online an warcrimes.gov.ua über­mit­teln. Fünf Wochen nach Kriegsbeginn gab es über 6.000 Einreichungen.

Artem Donets, ein Strafverteidiger, der sich den Territorialverteidigungskräften in Charkiw ange­schlos­sen hat, sagt, er sei Teil einer Telegram-Gruppe von 78 Anwälten, die sich alle an der Beweisaufnahme betei­li­gen und Vorfälle auf­grei­fen, für die Staatsanwälte und Polizei mög­li­cher­wei­se kei­ne Zeit haben .

Wir sind ein Justizbataillon“, sagt er.

An dem Tag, an dem er mit AP sprach, war Donez hin­aus­ge­gan­gen, um den jüngs­ten Angriff auf die zivi­le Infrastruktur in Charkiw zu doku­men­tie­ren. Er fand sich vor sei­nem eige­nen Haus wieder.

Wie üblich zück­te er sein Handy. Er nahm GPS-Koordinaten und trai­nier­te sei­ne Kamera auf einen Krater im Asphalt, fährt sei­ne Form mit dem Finger nach. „Schaden an der Fassade des Gebäudes“, sag­te er mit fla­cher, pro­fes­sio­nel­ler Stimme. „Zerstörung von Glas, Fenstern, Türen.“

Donets berich­te­te, eine Rakete aus einer Streumunition gefun­den zu haben, die 100 Meter ent­fernt aus dem Boden rag­te. Streumunition platzt auf und wirft Bomben über ein wei­tes Gebiet und wur­de von über 100 Ländern ver­bo­ten. Der Einsatz sol­cher wahl­lo­ser Waffen in einem Wohngebiet ohne ukrai­ni­sche Militärpräsenz könn­te als Kriegsverbrechen gelten.

Er schickt sei­nen Vorfallbericht an den Internationalen Strafgerichtshof und lädt ihn in die Datenbank von Venediktova hoch.

Das war ein ziem­li­cher Streik für mich“, sagt Donets. „Ich hof­fe, wenn die­ser Krieg endet, ein bes­se­res Haus für mich und mei­ne Familie zu bau­en. Ich hof­fe. Wir haben kei­ne Optionen. Entweder wir gewin­nen die­sen Krieg, oder wir wer­den besetzt und aus der Geschichte hinweggefegt.“

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Die Schrecken, die Venediktova und ihre Netzwerke von Verbündeten doku­men­tie­ren – Massengräber, offen­sicht­li­che Morde an Zivilisten, wahl­lo­ser Beschuss, wie­der­hol­te Angriffe auf Krankenhäuser, Verschwindenlassen, Folter, sexu­el­le Gewalt, bela­ger­te Städte, Verweigerung von Nahrung, Wasser und huma­ni­tä­rer Hilfe – sind nicht neu .

Putins Militär und sei­ne Stellvertreter haben ähn­li­che Taktiken in Tschetschenien, Georgien, Syrien, auf der Krim und in der Donbass-Region in der Ostukraine ange­wandt. Trotz jah­re­lan­ger umfang­rei­cher Dokumentation haben die Westmächte nie wirk­lich zurückgedrängt.

Das änder­te sich um 5 Uhr mor­gens am 24. Februar, als Russland begann, Bomben auf sei­nen Nachbarn abzu­wer­fen. Diese Jahre unbe­ant­wor­te­ter Gräueltaten las­ten nun auf Venediktova.

Ich war Universitätsprofessor, und Rechtsstaatlichkeit war für mich nicht nur ein Lied. Wenn ich mit mei­nen Studenten über Rechtsstaatlichkeit, über Menschenrechte gespro­chen habe, ver­traue ich eigent­lich dar­auf. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass das, wor­auf ich ver­traue, nicht funk­tio­niert“, sagt Venediktova. „Vielleicht soll­ten wir die bes­ten Köpfe im Rechtssystem, in der Jurisprudenz der Welt neh­men und etwas Neues schaffen.“

Inzwischen hat sie ein kon­kre­te­res Ziel: Geld.

Als es Abend wird, sitzt sie mit ihren Stellvertretern in einem sich ver­dun­keln­den Raum und bit­tet um einen wei­te­ren Espresso. Aus einer Musikschule neben­an wehen die schril­len Töne eines uner­fah­re­nen Klarinettisten.

Das Team von Venediktova berich­tet über die Fortschritte bei der lau­fen­den Suche nach aus­län­di­schen Vermögenswerten von mut­maß­li­chen Kriegsverbrechern. Eine ihrer Prioritäten ist es, das Geld von Kriegsverbrechern zu beschlag­nah­men und es den Opfern zu geben. Sie wird die Zusammenarbeit von Ländern auf der gan­zen Welt brau­chen, in denen rus­si­sche Verdächtige ihr Vermögen ver­steckt haben. Viele Länder kön­nen Vermögenswerte für ein aus­län­di­sches Gericht nicht legal beschlagnahmen.

Auch die Ukraine betreibt Crowdsourcing für die­se glo­ba­le Schatzsuche mit einem Portal auf Englisch, Russisch und Ukrainisch, auf dem jeder Tipps zu Vermögenswerten hoch­la­den kann .

Es gibt natür­lich einen noch grö­ße­ren Preis, der gera­de außer Reichweite liegt: Hunderte Milliarden Dollar an rus­si­schen Vermögenswerten, die von den USA, der EU, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und ande­ren ein­ge­fro­ren wur­den. Vielleicht könn­te man damit eines Tages auch Wiederaufbau und Reparationen in der Ukraine finanzieren.

Wie an den meis­ten Abenden tritt Venediktova kurz vor 21 Uhr im natio­na­len Fernsehen auf. Sie ver­si­chert ihrem Volk, dass Schuld bestraft und Leid ent­schä­digt wird.

Meine ers­te Freude wird der Sieg sein, wenn wir jeman­des Villa oder Jacht ver­kau­fen, und unse­re gewöhn­li­chen Ukrainer, die gezwun­gen waren, aus ihren Häusern zu flie­hen, wer­den die­se Entschädigung phy­sisch erhal­ten“, sagt sie. „Danke, guten Abend, bis bald.“

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Diese Geschichte ist Teil einer lau­fen­den Untersuchung von The Associated Press und FRONTLINE, die das inter­ak­ti­ve Erlebnis War Crimes Watch Ukraine und eine bevor­ste­hen­de Dokumentation umfasst.